| Die Moritzburger Fischzucht
Die frühesten archivalischen Belege über die Anlegung von Teichen im Friedewald datieren um das Jahr 1480 vermutlich mit der Anlegung der Altenteiche. Unter Herrschaft von Herzog Georg entstanden weitere Teichanlagen mit den Waldteichen (1501), dem Großteich (1502), dem Dippelsdorfer Teich (1528), dem Mosebruchteich (Teil des heutigen Schlossteiches um 1500-39) u.a. Diese Teiche entstanden z.T. auf herzoglichem Territorium, z.T. wurden jedoch auch bäuerliche Felder gegen eine Abfindung hinzugezogen. Die kuppig- wellige Oberflächengestalt der Moritzburger Landschaft bot mit ihren sumpfigen Brüchen in den flachen Mulden gute natürliche Voraussetzungen für das Anlegen der sogenannten Himmelsteiche, die hauptsächlich durch das Regenwasser gespeist wurden. Dabei wurden einzelne Teiche durch Kanäle zu Teichketten verbunden, um ein Ablaufsystem für die Fischernte zu schaffen. Kurfürst August förderte mit seinem Regierungsantritt 1553 neben Verwaltung, Handel und Gewerbe auch die Teichwirtschaft. Denn damit wollte er die Hofhaltung mit Fischen versorgen und natürlich seine Finanzen unterstützen, in dem er z. B. einige Teiche auf 12 oder 9 Jahre (4 oder 3 Ablässe) verpachtete. Der Pachtzins konnte entweder in Naturalien (z. B. Fische) oder in Geld entrichtet werden. Die Fischernte gehörte dem Pächter. Die Pacht konnte vererbt werden, aber nie gekauft. Auch die späteren Kurfürsten nutzten diese Einnahmequelle für ihre Finanzen. Als Teiche auf den Gemeindegebieten von Cunnertswalde, Bärnsdorf und Berbisdorf angelegt werden sollten, stellten die Bauern folgende Bedingungen: Eigentum an Gras und Schilf, Getreideanbau alle neun Jahre, wenn der Teich trocken lag (wenn der Teich ?gesömmert? wurde), freie Viehtränke, Benutzung der Wege und Hutungsrecht für ihr Vieh. Während der Schlossumbauten unter Kurfürst Friedrich August I. 1723 bis 1736 wurde auch gleichzeitig die Teichlandschaft mitverändert. Um 1730 wurden die vier Teiche (Mosebruch-, Capellen-, Kapitel- und Presteich) in einem Teich zum Schlossteich vereinigt. Dies ist der einzige Teich, der ringsherum gemauerte Ufer und Böschungen besitzt. Im 19. Jahrhundert wurden viele Teiche trockengelegt, da man sich höhere Erträge auf landwirtschaftlichen Nutzflächen erhoffte als in der Fischerei. Von 1650 bis 1750 war der Umfang der Teiche am größten. Die Teichwirtschaft erreichte in dieser Zeit ihren Höhepunkt, denn mehr als 30 von ca. 42 Teichen wurden regelmäßig betrieben. |
|||||||
![]() |
|||||||
| Fischerhaus in Moritzburg | |||||||
| Der Fischmeister unterstand dem Landfischmeister. Er hatte die direkte Aufsichts- und Kontrollfunktion. Der Fischmeister hatte die Teichaufsicht während des Einbringens der Satzfische und des Abfischens. Er hatte auf Zustand und Anzahl der Arbeitsgeräte im Bärnsdorfer Teichhaus zu achten.Die Teichknechte unterstanden dem Fischmeister und sollten die Teiche auf lokal begrenztem Gebiet beaufsichtigen.
Karpfen wurden als Hauptfische gezüchtet, da sie die Delikatesse waren. Neben den Karpfen wurden auch Hechte, Barsche, Karauschen, Schleien, Rotaugen, Plötze und Bleie gezüchtet. Die wichtigste Nutzung neben der Fischzucht war die Verwendung der Überwasserpflanzen. Im ersten Frühjahr wurde das Schilf als Grünfutter für Vieh verwendet, später diente es als Streu und es wurde auch zum Decken der Dächer genutzt. Die Teiche dienten auch als Belustigung für das Volk bzw. die Hofgesellschaft für Festivitäten (z. B. Fischerstechen oder Fischzug). Der Oberlandfischmeister hatte die Leitung und Organisation der Teichwirtschaft inne. Er hatte die Oberaufsicht und achtete auf Einhaltung der kurfürstlich-sächsischen Fischereiordnungen. Außerdem durfte er Anordnungen über die Instandhaltung und Reparatur der Teichanlagen, Teichgebäude und Arbeitsgeräte erlassen. Der Landfischmeister, der Fischmeister und die Teichknechte waren ihm unterstellt, aber nur er selbst war dem Kurfürsten gegenüber rechenschaftspflichtig. Der Oberlandfischmeister bekam 500 Gulden jährlich und ein jährliches Deputat an Fischen. Damit hatte er auch eine sehr hohe gesellschaftliche Stellung.Der Landfischmeister unterstand dem Oberlandfischmeister. Er hatte die gleichen Aufgaben, nur dass der Oberlandfischmeister sein direkter Vorgesetzter war. Hauptsächlich hatte der Landfischmeister die Planung zu übernehmen. D. h. er sollte die Menge der Satzfische festlegen, die in bestimmte Teiche zu bringen waren. |
|||||||
![]() |
|||||||
| Moritzburger Fischzug ca. 1950 | |||||||
| Im 19. Jahrhundert , der Zeit der industriellen Revolution und sich ändernder gesellschaftlicher Bedingungen, kam es zum Wegfall der billigen bäuerlichen Arbeitskräfte und zum Niedergang der Fischwirtschaft. Erst mit Beginn des 20. Jahrhunderts und der Übernahme der Teichwirtschaft in private Pacht um 1910 lebte die Karpfenzucht wieder auf. Durch moderne Futter- und Teichdüngemethoden erhöhte sich der Fischertrag beträchtlich. Während der Zeiten der sozialistischen Planwirtschaft wurden Höchsterträge durch erhöhte Fütterung auf Kosten des Ökosystems der Teiche erzielt.
Natur und Fischertrag im Gleichgewicht zu halten gehört zu den Bemühungen der heutigen Fischwirtschaft. Mehr zur Moritzburger Fischzucht finden Sie unter |
|||||||